Von 2004 bis 2023, also beinahe zwanzig Jahre hat Jean Asselborn als Außenminister von Luxemburg europäische Politik maßgeblich geprägt und war damit der am längsten im Amt befindliche Außenminister in der EU. „Was könnte näher liegen, als einen so profilierten Europapolitiker nach Laufen und Oberndorf einzuladen als Vorzeigegemeinden für eine länderübergreifende europäische Zusammenarbeit“ begründete die Vorsitzende der SPD Laufen Silke Spitzauer die Einladung des Ortsvereins an den prominenten Gast.
Bei einem kleinen Spaziergang durch Laufen und Oberndorf, von der Salzachschleife zur Stillen Nacht Kapelle und dann über die Länderbrücke zurück nach Laufen, brachten SPD-Bürgermeisterkandidat Andreas Roßhuber und der Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion und Landratskandidat Roman Niederberger dem Besucher aus Luxemburg die Geschichte Laufens und die gute Zusammenarbeit der beiden Städte nahe. Im Laufener Kapuzinerhof traf man sich dann mit den Kandidatinnen und Kandidaten der SPD für die Stadtratswahl und den Bürgermeistern der beiden Städte Hans Feil und Georg Djundja für den Eintrag in die Goldenen Bücher der beiden Städte und zu einem kurzen Vortrag von Jean Asselborn.
Zu Beginn des Treffens ging Roman Niederberger in seiner Begrüßung auf die Vita des Gasts aus Luxemburg ein. Beeindruckend für ihn war, dass er mit 18 Jahren von der Schule abging und dann als Arbeiter bei einer bekannten Reifenfirma tätig war. Im zweiten Bildungsweg holte er dann mit 27 Jahren das Abitur nach und begann ein Jurastudium in Nancy, dass er mit einem Abschlussdiplom in Zivilprozessrecht abschloss. Jean Asselborn war über viele Jahre Parteivorsitzender der Luxemburger Sozialistischen Arbeiterpartei und begann seine politische Laufbahn als Bürgermeister in seinem Steinfort, bevor er später als Abgeordneter und dann als Vizepremierminister und Minister für auswärtige und europäische Angelegenheiten tätig war.
Mit voller Konzentration ergriff der Europapolitiker das Wort und ging in seinem Vortrag auf die historische und aktuelle Entwicklung der Europäischen Union, ihre Erweiterung und Zukunft ein. Aus seiner Sicht dürfen die neuen Beitrittskandidaten insbesondere in Osteuropa nicht aus den Augen verloren werden; auch damit autokratischen und antidemokratische Bewegungen unter dem Einfluss Russlands nicht weiter an Boden gewinnen. „Wir müssen international wieder der Stärke des Rechts statt dem Recht des Stärkeren Geltung verschaffen“, forderte er angesichts des Angriffskriegs auf die Ukraine, aber auch den Ansprüchen der USA auf Grönland. Den „Westen“, wie man ihn in der Nachkriegsordnung gekannt habe, gebe es in dieser Form nicht mehr; selbst die NATO und die damit verbundene gegenseitige Beistandsverpflichtung werde immer mehr in Frage gestellt. Die Antwort darauf könne nur ein geeintes, demokratisches Europa sein, dass selbst verteidigungsfähig ist und in außenpolitischen Belangen mit einer Stimme spricht.
Der Prozess der europäischen Einigung beginne in den Städten und Gemeinden; gerade deshalb seien übergreifende Projekte, wie sie in Laufen und Oberndorf mit der gemeinsamen Wirtschaftsplattform, aber auch auf Landkreisebene mit dem geplanten Verkehrsverbund mit Salzburg organisiert werden, von großer Wichtigkeit, war sich der Europapolitiker mit den beiden Bürgermeistern und den Vertretern der heimischen SPD einig.
Zum Abschluss des Treffens wünschte Jean Asselborn den Andreas Roßhuber, Roman Niederberger und den Kandidatinnen und Kandidaten der SPD für den Stadtrat viel Erfolg, bevor er seine Tour durch Bayern mit einem Vortrag in Germering fortführte.